Johann Victor Bredt

Johann Victor Bredt stammt aus einer bekannten, alteingesessenen Barmer Kaufmanns- und Unternehmerfamilie, die ihren Ursprung in dem Hofgut Bredde (Bartholomäusstraße, Ecke Bredde) hatte. Das Hofgut wurde Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Sein Großonkel Wilhelm August Bredt (1817 bis 1895) war von 1857 bis 1879 Oberbürgermeister von Barmen.

Das Geburtshaus von Johann Viktor Bredt am Mühlenweg in Barmen. Das Haus gibt es heute nicht mehr.

Johann Victor Bredt wurde am 2. März 1879 am Mühlenweg 45 in Barmen geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters Victor Richard Bredt (1849 bis 1881) übernahmen der Großvater Victor Bredt sowie Adolf Vorwerk, neben der Mutter Henriette, die Erziehung. Nach Privatunterricht in der Familie und kurzem Besuch der Volksschule ging Bredt auf das Realgymnasium Bleicherstraße und machte dort 1897 sein Abitur. Im gleichen Jahr absolvierte er für ein Jahr eine Bankausbildung (Volontariat) beim Barmer Bankverein.

Bredt begann 1898 sein Studium der Rechtswissenschaften, Nationalökonomie, Geschichte und Philosophie. Er immatrikulierte sich an der Universität Tübingen und setzte das Studium in Göttingen und Bonn fort. 1901 legte Bredt das erste juristische Staatsexamen in Bonn ab und trat seine Referendarstelle beim Arbeitsgericht Königswinter an. Ein Jahr später promovierte er in Leipzig. Noch im gleichen Jahr heiratete er seine Cousine Ada Bredt und wurde ein Jahr später Vater einer Tochter.

Es folgte eine zweite Promotion 1904 in Nationalökonomie. Nach den ersten Erfahrungen in Verwaltungen bei Behörden und Ämtern hatte er sich für eine wissenschaftliche Tätigkeit und Laufbahn an Universitäten entschieden und habilitierte sich 1909. 1910 erhielt er den Lehrstuhl für Staats-, Kirchen- und Völkerrecht an der Philippsuniversität in Marburg.

Im gleichen Jahr begann auch seine politische Karriere; er wurde Stadtverordneter in Marburg und behielt sein Mandat bis 1924. Bereits ein Jahr später wurde er für die freikonservative Partei ins preußische Abgeordnetenhaus in Berlin gewählt.

1914, mit Beginn des Ersten Weltkriegs, meldete sich Bredt freiwillig zum Heer. Nur wenige Monate nach seinem Militäreintritt wurde er bei der Schlacht bei Tannenberg schwer verwundet, als ihm das Kinn weggeschossen wurde. Auch während der Kriegszeit setzte er sich für politische Reformen ein und beteiligt sich an der Änderung des Dreiklassenwahlrechts.

Nach der Novemberrevolution 1918 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), einer Partei, in der sich verschiedene konservative politische Strömungen trafen. Zwei Jahre später verließ er die Partei wieder, weil sich die DNVP am Kapp-Putsch beteiligte und engagiert sich noch im gleichen Jahr bei der Wirtschaftspartei.

Johann Viktor Bredt in den 1920er Jahren in Berlin mit Kollegen, wahrscheinlich aus der Reichtagsfraktion der Wirtschaftspartei

Seine politische Grundeinstellung nach dem Ende des Kaiserreichs war weiterhin monarchistisch, er stellte sich aber nach und nach auf die neue republikanischen Verhältnisse ein und versuchte, Einfluss im national-konservativen Sinn zu nehmen. Seine neue politische Heimat war nun die Wirtschaftspartei, eine Interessengruppe des Mittelstandes, die im Weimarer Parteienspektrum zwischen liberaler und konservativer Gruppierungen stand. Für diese Partei zog er 1924 als gewählter Abgeordneter in den Reichstag ein und wurde schnell ihr führen der Politiker.

Johann Viktor Bredt am 1. November 1930 – damals noch Justizminister

In der Weimarer Republik wechselten die Regierungen ständig, so auch 1930, als die große Koalition unter dem SPD-Kanzler Hermann Müller ein Ende fand. Die Zeit der Präsidialkabinette begann mit Heinrich Brüning von der Zentrumspartei. Anfang der 1930er Jahre hatte es die NSDAP geschafft, die Mehrheit der Abgeordneten im Reichstag zu stellen. Die anderen Parteien verloren rasant an Zustimmung der Bevölkerung, so auch die Wirtschaftspartei.

Am 5. Dezember 1930 zog sie ihren Justizminister ohne Zustimmung Bredts zurück; er erhielt seine Entlassungsurkunde, blieb aber bis 1932 noch Reichstagsabgeordneter. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers löste sich die Wirtschaftspartei auf. Bredt zog sich aus der Politik zurück, nahm seine geschichtlichen Interessengebiete wieder auf und verfasste verschiedene familiengeschichtliche Arbeiten aus seiner Heimatstadt (Wuppertal-) Barmen.

Am 1. Dezember 1940 starb Johann Viktor Bredt in Marburg an einem Herzinfarkt und wurde am 5. Dezember nach Wuppertal-Barmen ins Familiengrab auf den Friedhof Hugostraße überführt. 29 Jahre später (1969) wurde durch den Kommunal- politiker Klaus Goebel ein Antrag für ein „Ehrengrab Johann Viktor Bredt“ erfolgreich im Rat der Stadt Wuppertal gestellt.

50 Jahre später hat Barmens Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke gemeinsam mit dem Bergischen Geschichtsverein zum 140. Geburtstag Bredts dem engagierten Politiker, Wissenschaftler und Barmer Bürger die Ehrung zukommen lassen, die er verdient hat.

Mehr zu Bredt gibt es auf den Seiten des Landschaftsverbands Rheinland: Hier klicken!

Text: Bernhard Lamprecht, aus: wunderbarmen 1/2019

Fotos: Bundesarchiv